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EINMAL KU'DAMM UND ZURÜCK

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30 Jahre Fall der Mauer

Mit Saskia Vester. Danke! am 29.11.2019 bei Talk am See SWR
Mit Saskia Vester. Danke! am 29.11.2019 bei Talk am See SWR

Schöne Begegnungen

Wir waren damals eingeladen, aber wir waren in Berlin,

also besuchten wir eine Woche später als Gast  die Sendung.

NZZ GESCHICHTE NR.24 vom  Oktober 2019
NZZ GESCHICHTE NR.24 vom Oktober 2019

30 Jahre Fall der Mauer

Beitrag von Ricardo Tarli, ein in Berlin wohnhafter Schweizer Journalist


Seite 53 - 61 Als die Welt um Berlin bangte, u.a.mit unserer Geschichte auf Seite 61

und vielen anderen wertvollen Beiträgen.


Von Ricardo Tarli und Enrico Seewald;


Die Schweiz wiederum war der erste westliche Staat, der mit der DDR offizielle Beziehungen aufnahm. Hauptgrund dafür waren die in Ostdeutschland liegenden schweizerischen Vermögenswerte. Ausgerechnet ein Angestellter des ersten Schweizer Botschafters in der DDR sorgte jedoch für einen diplomatischen Eklat: Peter Gross, der Koch des damaligen Schweizer Botschafters in Ost-Berlin Hans Miesch. Im Februar 1975 wollte Gross seine ostdeutsche Freundin Christa Feurich, die eingepfercht im Kofferraum seines Austin Mini lag, nach West-Berlin schmuggeln. Doch der kühne Fluchtversuch misslang. Der damals knapp 26-jährige Schweizer war an die Stasi verraten worden. In der berüchtigten Haftanstalt Bautzen II musste das junge Paar eine mehrjährige Strafe absitzen, bis es im Mai 1978 vorzeitig entlassen wurde. Die Schweiz schob im Gegenzug das inhaftierte Agentenpaar Gisela und Hans-Günter Wolf in die DDR ab.

Im November 2019  wird das inzwischen am Bodensee lebende 

Ehepaar Gross zusammen mit den Berlinern den Jahrestag des Mauer- 

falls feiern.

Eigene Bemerkung:

wir waren auf der Böse Brücke (Bornholmer Strasse, Platz des 9.11.1989)

und hatten nette Gespräche und liebe Menschen bei einem feinen Glühwein kennen gelernt.

Südkurier Seite 1
Südkurier Seite 1

Südkurier 2.11.2019 

GEGEN DAS VERGESSEN
Seite 3 Bilder Archiv von Peter Gross
Seite 3 Bilder Archiv von Peter Gross

Südkurier 2.11.2019 

VERGESSEN KANN MAN DAS NIE
Seite 3
Seite 3

SEITE 3

  Peter und Christa Gross wollten 1975 aus der DDR in einem Mini Cooper fliehen. Ihre Flucht endet im Gefängnis. Heute blicken sie zurück. 30 Jahre Mauerfall: 1975 durchlitten die Verliebten den Tag ihres Lebens. Bekannte hatten sie bei der Grenzpolizei verraten.  44 Jahre nach der Republikflucht: Christa und Peter Gross blicken auf das größte Abenteuer ihres Lebens zurück. Heute leben sie in Schlatt unter Krähen bei Singen. Der Fluchtversuch von Christa und Peter Gross ist ein Ost- West-Kapitel für sich. Es liest sich wie einer jener Romane, den das Leben besser schreiben kann als ein Thriller-Autor.
  Im diesem wahren Roman steckt alles, was das Leben süß- sauer-pikant macht: Der Kalte Krieg mit der undurchlässigen Berliner Mauer, zwei unversöhnliche Systeme, zwei Staaten, die dieselbe Sprache sprechen und sich doch nicht verstehen. 

Und vieles mehr: Große Liebe und ein kleines Auto.  44 Jahre nach der Republikflucht: Christa und Peter Gross blicken auf das größte Abenteuer ihres Lebens zurück. Heute leben sie in Schlatt unter Krähen bei Singen.  Bild: Fricker, Ulrich Christa Feurich und Peter Gross lernten sich 1974 kennen. 

Beide waren damals Mitte 20, Peter Gross ein charmanter Draufgänger. Im Tanzcafé „Nord“ in der Ost-Berliner Schönhauser Straße tanzten und flirteten sie. So begann die Freundschaft zwischen den beiden, die aus damals verschiedenen Welten kamen: Er ein gebürtiger Züricher, der als Privatkoch in der Residenz des Schweizer Botschafters in der DDR angestellt war. Das verschaffte ihm Privilegien und Schutz. Er besaß einen Ausweis, die ihn von lästigen Kontrollen befreite. Und er hatte ein Diplomaten- Kennzeichen (CY) an seinem Mini – ein Auto mit exotischer Ausstrahlung damals. Junge Frau aus Zittau Die Frau, die er zwischen Foxtrott und Rumba kennenlernte, entpuppte sich als waschechte DDR-Bürgerin. 

Christa Feurich war in Zittau aufgewachsen, nachdem ihre Eltern aus Kiel nach Sachsen ausgewandert waren, weil die Versorgung dort nach dem Krieg besser war. Später arbeitet sie in einer Apotheke in Ost-Berlin (“Berlin„) als PTA. Sie wollte weg, rüber in den Westen. 

Der Gedanke an Flucht reifte. Der Mini erschien Peter Gross als ideales, da unauffälliges Mittel. Peter Gross versteckte seine Freundin im Kofferraum des Mini. Die 1,67 Meter große Christa musste sich dafür wie ein Taschenmesser zusammenklappen. Das Ersatzrad hatte Peter entfernt, um den Platz dafür zu schaffen. Zwei Mal hatten sie es probeweise durchgespielt und waren auf den Ku‘damm gefahren und abends zurück. Tadellos. 


Bornholmer Brücke 

Am 1. Februar 1975 wollten sie endgültig „rübermachen“ und der DDR den Rücken kehren. Aus DDR-Sicht war es Republikflucht und damit ein schweres Vergehen – und moralisch höchst verwerflich, da ein Mensch doch froh sein   durfte, wenn er im besseren Deutschlandleben darf. Diesmal hatten sie Pech. Jemand musste sie verraten haben. Der Mini mit Gross am Steuer wurde am Grenzübergang Bornholmer Brücke angehalten und in eine Garage dirigiert. Dort öffneten die Grenzsoldaten den Kofferraum und zogen die junge Frau heraus. Der ganze Vorgang wurde, wie bei der Stasi üblich, dokumentiert und fotografiert. Man sieht den Bildern an, wie überrascht die beiden waren. Zwei Denunzianten Später erst wurde in eines klar: Von zwei Denunzianten (IM) waren sie verpfiffen worden. Von beiden waren sie im Vorfeld der Flucht geschickt in Gespräche verwickelt worden. Dabei hatte vor allem Peter mehr gesagt, als gut war. Als freiheitsliebender Schweizer besaß er nicht die von Kind an eingeübten Mechanismen des Misstrauens und Schweigens.  Mit dem Gesicht auf den Knien kauerte Christa Feurich im Kofferraum des Mini. Die Grenzer beendeten die Flucht ....Sie saßen in der Falle. Der Käfig des DDR-Systems schloss sich. „Es war eindeutig ein Unrecht-Staat“, sagt Christa Gross im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Diskussion darüber versteht sie nicht. Als jemand, der mehr als 1100
  Tage im Gefängnis saß, kann sie das wohl gut beurteilen. Für nachträgliche Rechtfertigungen und Schönredereien hat sie kein Verständnis. Unrecht bleibt Unrecht. Viereinhalb Jahre Bautzen Was DDR-Recht bedeutet, erfuhren sie die beiden am eigenen Leib. Er wurde zu fünf Jahren, sie zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Beide saßen in Bautzen ein, dem berüchtigten Gefängnis für die Politischen. Sie wurde in die Küche abkommandiert und konnte ihm von dort aus immer wieder Nachrichten zuspielen. Fantasievoll deponierte sie ihre Botschaften zum Beispiel in einem Suppennapf. Sie verhielt sich regelkonform, ihr Peter war dagegen wild. „Ein rechter Schweizer lässt sich nicht unterkriegen“, sagt er heute schmunzelnd. 


Der Staat in Stiefeln Der Schalk ist dem 70-Jährigen bis heute anzusehen. Mit den Bautzener Offizieren legte er sich immer wieder an. „Sie sehen aus wie einer von der SS“, sagte er zu einem Oberstleutnant, der sich mit seinen Stiefeln vor ihm aufgebaut hatte. Der Mann schäumte. Öfters kam es zum Handgemenge oder zu Sachbeschädigungen. Nur der Schweizer Pass schützte Gross in gewisser Hinsicht (siehe Infokasten).
   .... und zwangen die DDR-Bürgerin zum Aussteigen. Die Bestürzung darüber ist ihr im Gesicht abzulesen wie auch... 


Für seinen Widerstand in Bautzen zahlte Gross einen hohen Preis. Er wurde in den Arrest geschickt, das hieß damals: Ein schmaler fensterloser Raum, keine Sitzgelegenheit, WC-Benutzung nur abends und morgens. Das Bett wurde morgens abgeschlagen.
   ... ihrem Freund und heutigen Mann Peter Gross. Mit verschränkten Armen steht er vor dem Mini. Die Fluchtfahrt ist beendet. Das Paar war verraten worden. Das Urteil gegen das Liebespaar war politisch motiviert. Davon sind die beiden Rentner bis heute überzeugt. Nach mehr als drei Jahren in Bautzen wurden sie endlich gegen ein Agentenpaar ausgetauscht. 1978 durften sie in die Schweiz ausfliegen, einige Monate später heirateten sie in Basel. Christa Gross sagt im Rückblick: „Die große Liebe hast sich erst im Westen entwickelt.“ Sie hält bis heute. Und dann in den Hegau Beruflich fassten sie schnell Fuß. „Mein Ziel war es immer, mit 35 Jahren Direktor zu sein“, sagt der gelernte Koch mit gemütlichem Schweizer Unterton. Sie leiteten eine Raststätte, später bauten sie Geschäfte in Stein am Rhein auf. Den Ruhestand verbringen sie seit einigen Jahren in Deutschland. In Schlatt unter Krähen (bei Singen) leben sie in einer Mietwohnung. „Als Rentner brauchst du deine 5000 Franken im Monat, sonst reicht es nicht“, sagt Gross. Deshalb wohnen sie lieber im Hegau. 

Ja, sie sind zufrieden mit ihrem Leben. Ihre Erinnerungen zwischen Schweizer Botschaft und Bautzen pflegen sie sorgsam. Die Entwicklungen in der ehemaligen DDR verfolgen sie aufmerksam. Christa Gross, die dort aufgewachsen ist, sieht freilich keinen Grund zur übertriebenen Nostalgie. Sie weint dem Land keine Träne nach.
 

Der Mauerfall 1989 hat beide überrascht. „Ich hätte nie gedacht, dass die DDR zusammenfällt,“ sagt die mittlerweile 71-Jährige. Nur die Erinnerung an verrückte, verliebte und gefährliche Jahre bleibt. In der Schrankwand im Wohnzimmer sind Aktenordner und Fotoalben aufgebaut. Viele Artikel wurden über die Zwei im Mini bereits geschrieben. In Bautzen erinnern Schautafeln an das ungewöhnliche Paar, das von der DDR als Staatsverbrecher behandelt und im Westen gefeiert wurde. Dabei waren sie doch nur ineinander verliebt. Immerhin, von etwa 20 Kilogramm Akten haben sie sich getrennt. Das war dann doch zuviel. Juristisch ist der Fall erledigt – im Kopf aber wird sie der 1. Februar 1975 wohl bis ans Lebensende begleiten.


  Bern forderte alles zurück Unter den Akten befanden sich auch Fichen (amtliche Schweizer Dokumente). Ein eidgenössisches Departement verlangte nach der Freilassung jeden Franken zurück, den die Schweiz für gute Dienste ausgelegt hatte. Das findet Peter Gross bis heute kleinlich. Doch zahlte er es zurück, Rappen für Rappen. Mit der Schweiz ist er quitt. Mit der DDR sowieso.  Miniatur des Mini im Wohnzimmer.  Ein dritter Staat gab sich dafür umso großzügiger – ein Staat, der mit dieser gefährlichen Abenteuer aus dem Kalten Krieg nichts zu tun hat: die Bundesrepublik. Und das kam so: Die Urteile gegen die beiden wurden nach der deutschen Einheit aufgehoben, weil sie inzwischen Unrecht sind. Seitdem gelten die beiden als rehabiliert. Als Entschädigung zahlt ihnen die Bundesrepublik eine Ehrenrente aus in Höhe von 300 Euro monatlich aus.
  Die DDR und die Grenze  Fluchtversuche:Immer wieder versuchten DDR- Bürger, das Land zu verlassen. Das geschah immer unter Todesgefahr. Mit einer Dampflok durchbrachen 23 Flüchtlinge den Ost-Berliner Bahnhof Albrechtshof und setzen sich nach Spandau ab (1961). Oder: Mit einem selbstgebauten Heißluftballon überquerten zwei Familien die innerdeutsche Grenze von Thüringen aus und landeten in Bayern  Bornholmer Straße:Dieser Grenzübertritt führte von Ost- nach West-Berlin. Christa und Peter Gross versuchten exakt dort, in den Westen zu gelangen und wurden abgefangen. – Am 9. November 1989 war die Bornholmer Straße die Brücke inden Westen: Der zuständige Offizier hieß Harald Jäger ließ den Übergang öffnen, nachdem sich Tausende von DDR- Bürgern davor versammelt hatten.  Harald Jägerwar damals Oberstleutnant der Grenztruppen. Er hatte an diesem 9. November zwar von Günter Schabowskis Pressekonferenz Kenntnis – aber keine Befehle erhalten, wie vor Ort zu verfahren sei. Gegen 23.30 Uhr ließ er die Menschen passieren. Nach der Wende musste er den Dienst quittieren. Später betrieb er einen Zeitschriftenladen in Berlin. Heute ist er Pensionär.  Spielfilm: Der gewagte Fluchtversuch von Christa und Peter Gross wurde verfi lmt (1987). Allerdings wurden in dem Film „Einmal Ku‘damm und zurück“ einige Details geändert. Im Film ersetzt zum Beispiel ein Mercedes (mit großem Kofferraum) den Mini als Fluchtfahrzeug.••••
   Weitere Informationen: Peter Gross stellt zusätzliche Informationen, Bilder und vor allem Dokumente auf seiner Startseite bereit: www.einmalkudammundzurück.de••

erschienen 2019 ISBN 978-3-96311-25-8, BEI Amazon oder im Buchhandel bestellbar
erschienen 2019 ISBN 978-3-96311-25-8, BEI Amazon oder im Buchhandel bestellbar

Die DDR und der Rest der Welt

Unser Text;

auf Seite 260 - 269
geschrieben von  Ewald König Chefredakteur von korrespondenten.tv.
Es ist ein Buch mit vielen nicht alltäglichen Infos zur DDR .

Schweizer Geschichte in Berlin

Die Beziehungen der DDR und der Schweiz waren gelegentlich belastet. Ausgerechnet der Koch des Schweizer Botschafters wurde beim Versuch, seine ostdeutsche Freundin in den Westen zu schmuggeln, von "Freunden" an die Stasi verraten – mit schweren Konsequenzen, da die Schweiz den Austausch gegen ein Agentenehepaar ablehnte.Dennoch wusste auch die DDR die Schweiz mit ihrem Bankgeheimnis als Finanzplatz zu nutzen.

Kein Statement zum Mauerfall
Obwohl die Schweizer Geheimdienste als hervorragend informiert galten und den Fall der Mauer ungewöhnlich frühzeitig und konkret erwartet hatten, schien die Schweizer Regierung, als es tatsächlich so weit war, überfordert. Als Journalisten den Schweizer Außenminister René Felber um ein Statement zum Fall der Mauer baten, wurden sie von seinem Sprecher mit der Bemerkung abgespeist, der Bundesrat (also die Schweizer Regierung) könne gegenüber Journalisten nicht zu allen politischen Ereignissen Stellung beziehen, schließlich geschehe jeden Tag etwas Wichtiges. Erst einige Tage später sprach er mit Journalisten darüber. Dabei war er noch sicher, dass die DDR-Bevölkerung nur die dominierende Rolle der Einheitspartei SED habe beenden wollen, aber nicht die deutsche Einheit anstrebe. Ein vereintes Deutschland als übermächtigen Nachbarn, das war keine angenehme Vorstellung der Schweizer, die schon gegenüber der alten Bundesrepublik auf Abgrenzung bedacht waren. Damit lässt sich die damalige Orientierungslosigkeit in Bern möglicherweise erklären.
Dass die Schweiz hinter den Kulissen viel mit der DDR zu tun hatte, wo Geld im Spiel war, sei hier nur am Rande erwähnt. Das wenig bekannte sogenannte Zürcher Modell war ein Konto für Milliardenkredite, das die BRD mehrmals auffüllte und die DDR zu Gegenleistungen nötigte, beispielsweise zu Reiseerleichterungen, Familienzusammenführungen oder zum Abbau der Selbstschussanlagen an der deutsch-deutschen Grenze. Die Transaktionen war Chefsache. Weder in den Bonner Kabinett- noch in den Ostberliner Politbürositzungen soll darüber geredet worden sein. Auch Geldwäsche mit Stasi-Vermögen und Konten aus DDR-Geschäften mit der österreichischen "Roten Fini", Adolfine Steindling, und andere einschlägige Beziehungen bestanden zwischen der DDR und der Schweiz. Der Schweizer Journalist Ricardo Tarli beschrieb in seinem Buch Operationsgebiet Schweiz, wie sich die Stasi im Alpenland Spionagetechnik besorgte und weltweit einsetzte sowie mit wirtschaftskrimineller Aktivitäten in großem Umfang Technologieschmuggel, illegale Devisen- und Embargogüterbeschaffung und Kunsthandel betrieb, um die DDR-Wirtschaft zu unterstützen. Die Schweizer Behörden sollen dies toleriert haben.

Solitär zwischen Kanzleramt und Reichstag
Das Gebäude der Schweizerischen Botschaft in Berlin ist einen Absatz wert. Bundeskanzlerin Angela Merkel muss jeden Tag, wenn sie das Kanzleramt betritt, die quadratische rote Flagge mit dem weißen Kreuz ansehen. Die Botschaft steht als Fremdkörper eines neutralen und nicht einmal der EU angehörenden Landes zwischen der Regierungszentrale und dem Parlament. Als die Brache im Schatten der früheren Berliner Mauer zum Regierungsviertel des wiedervereinigten Deutschlands ausgebaut werden sollte, war den Deutschen das einsame Stadtpalais sehr im Wege. Sie machten den Schweizern großzügige Angebote, um sie von dort wegzukriegen. Die Schweiz lehnte alles ab. Auch als der Tiergartentunnel gebaut wurde, der unterirdisch das Grundstück der Schweiz streift und deshalb Sicherheitsargumente vorgebracht wurden, ließ sich die Schweiz nicht ihren Standort ausreden. Sie setzte sich erfolgreich durch. Wieder einmal – denn schon bei Adolf Hitlers und Albert Speers Plänen für die Welthauptstadt Germania hatte das Haus die Abrissarbeiten überstanden, den Zweiten Weltkrieg hatte es als einziges Bauwerk im Spreebogen überlebt, danach auch die sowjetischen Besatzer. Im Zweiten Weltkrieg vertrat die Schweiz hier übrigens die Interessen von 25 Staaten inklusive jener der USA und Großbritanniens.
Als der Reichstag von Christo verhüllt wurde, bot sich vom Dach des Gebäudes, zu jener Zeit Berliner Außenstelle der Bonner Botschaft, ein überwältigender Anblick auf die Kunstaktion. Der Gesandte Paul Widmer gewährte mir diese Möglichkeit, die ich zum Fotografieren nutzte. In einer Publikation anlässlich "150 Jahre Schweizerfahne im Herzen Berlins" (2017) bezeichnete Widmer das Haus zu Recht als Solitär in beneidenswerter Lage zwischen Bundeskanzleramt und Reichstag".

Koch des Schweizer Botschafters in den Fängen der Stasi
Zu DDR-Zeiten diente das Haus als Generalkonsulat der Schweiz für das eingeschlossene Westberlin. Die Schweizer Vertretung auf DDR-Seite stand in der Esplanade in Berlin-Pankow in einer Reihe von dreigeschossigen Plattenbauten, die teils als Botschaften, teils als Residenzen dienten. Die Schweizer Residenz stand in der Kuckhoffstraße.
Hieran knüpft sich eine der spektakulärsten Fluchtgeschichten. Der Koch des Schweizer Botschafters, Peter Gross, schrieb Geschichte in den bilateralen Beziehungen. Ich ließ mir von ihm und seiner Frau im Zollpackhof, einem Biergarten an der Spree neben der Schweizer Botschaft und gegenüber dem Bundeskanzleramt, den Fluchtversuch und die Haftzeit schildern, die weder für die DDR noch für die Schweiz ein Ruhmesblatt war.
Christa Feurich ist studierte Pharmazieingenieurin aus Bernau und war Leiterin der Sterilabteilung in der Blutspende im Klinikum Berlin-Buch. An einem Maiabend im 1974 stand Christa mit ihrer Freundin in der Schlange vor dem Café Nord in der Schönhauser Allee. Eine Stunde mussten die DDR-Bürger anstehen. Kurz bevor sie eingelassen wurden, stoppte ein Taxi, ein junger Mann mit Zeitschriften unterm Arm stieg aus, steckte sie dem Türsteher zu und wurde sofort reingelassen. "Typisch", schimpften Christa und ihre Freundin, "der kann natürlich rein!" Drinnen forderte er Christa zum Tanz auf, sie freundeten sich an, verabredeten sich und verliebten sich.
Peter Gross, damals 25, war der Koch des Schweizer Botschafters und seiner Frau. Von Montag bis Samstagverwöhnte er sie morgens, mittags und abends, war verantwortlich für die Diplomatendinner, die Teeparty der Frau oder richtete die Cocktailparty zum Nationalfeiertag aus. Fleisch besorgte er gegen Vorbestellung in einer Ostberliner Metzgerei speziell für Botschaften. Dazwischen hatte er den Garten zu machen und den Hund auszuführen.
Auf dem Weg nach Bernau zu Christa reißt im Mini Cooper der Keilriemen. Peter Zemke, der in seiner Reparaturwerkstätte "PGH Roter Oktober" sonst nur Trabis und Wartburgs und Ladas repariert, macht das ungewöhnliche Auto des Peter Gross wieder fahrbereit. Die beiden Peters freunden sich an. Doch Peter Gross wusste nicht, dass Peter Zemke auch die Autos der Staatssicherheit reparierte und von ihr engagiert war, seinen Schweizer Freund zu beschatten und über ihn zu berichten. Zemke hat er die Haft in Bautzen zu verdanken. Als er später aus den Stasi-Unterlagen davon erfuhr, konnte er gegen den Verräter nicht vorgehen. Zemke habe sich im Rahmen der damals geltenden Gesetze in der DDR bewegt, erfuhr er, außerdem sei alles verjährt.

Einmal Kudamm und zurück
Das rote Autokennzeichen mit dem Code CY 33-10 wies Gross als Mitarbeiter einer Botschaft aus. Obwohl er als Koch keinen diplomatischen Status hatte, wurde er an den Grenzübergängen nach Westberlin nach einem Blick auf den Ausweis in der Regel auf der CD-Spur durchgewinkt. Ohne Kontrolle. Das verführte zur Idee, Christa einmal im Kofferraum zu verstecken und ihr den Kudamm im Westteil zu zeigen. Es klappte. Es war aufregend, sie hatte Angst, vor allem als er mit einer zweiten Fahrt auch noch eine Bekannte, eine Dresdner Balletttänzerin, in den Westen schmuggelte. Auch das klappte.
Christa schildert ihre damaligen Eindrücke vom C&A, wo sie eine Bluse erstand, und vom Besuch im Chinarestaurant: "Eine andere Welt, alles gestylt, sowas hatte ich noch nie gesehen. Ich kannte ja nur unsere Speiselokale, in denen alles miefig, schmuddelig, düster und langweilig war."
Auch die Rückfahrt in den Osten klappte. So reifte allmählich der Entschluss, den Kudamm nicht nur zu besuchen, sondern in den Westen zu flüchten. Dass ihr Freund wie jeder Mitarbeiter einer Botschaft unter Beobachtung stand, nahmen sie zu wenig ernst. Als Peter Gross einmal auf einen plump auffälligen Begleiter auf der anderen Straßenseite direkt zugehen wollte, verschwand der schnell.


Die Geschichte von Christa und Peter Gross: Verliebt, verraten von der Stasi, eingesperrt im Stasiknast Bautzen II. "Das gehört zu unserem Leben", erzählen sie unweit der Schweizer Botschaft.

Einmal nahm der Schweizer Botschafter seinen Koch auf die Seite. Sie gingen in den Garten, weil die Wände der Residenz Ohren hatten. Der Koch erzählte mir: "Er bat mich, nur ja nichts gegen die DDR zu unternehmen. Das waren seine Worte. Ob er was gewusst hat, weiß ich nicht. Vielleicht hat er es gespürt. Aber er wusste, dass die DDR eines Schweizers habhaft werden wollten, den sie dann gegen ein in der Schweiz aufgeflogenes Agentenehepaar austauschen könnten. Ich sagte ihm, er solle sich da keine Gedanken machen."
Das Agentenehepaar war 1973 aufgeflogen und verhaftet worden. Hans-Günther Wolf und Gisela Wolf mit den Tarnidentitäten Hans Kälin und Ursula Kälin hatten unter anderem Informationen über das schweizerische Militär an die DDR weitergegeben. Für die Schweiz war das einer der schwersten Spionageskandale im Kalten Krieg, was sich in hohen Haftstrafen von sieben Jahren niederschlug.

Die Schweiz ließ ihren Bürger im schlimmsten DDR Zuchthaus Bautzen II sitzen
Um das Ehepaar austauschen zu können, suchte die DDR Tauschobjekte – und fand sie im Kofferraum des orangefarbenen Mini Cooper. Dort lag Christa zusammengekauert, um die DDR nun für immer zu verlassen und Peter bald zu heiraten. Sie hatte niemandem von dem Plan erzählt, auch nicht den Eltern, um sie nicht zu belasten. Der Vater, Techniker in einem Zittauer Werk, das Federn für Lokomotiven herstellte, war überzeugter Kommunist, er hätte das von seiner Tochter nie erwartet. Diesmal wurde Peter Gross nicht auf der CD-Spur durchgewinkt, sondern angehalten. Auf Grund des Verrats war die Kontrolle diesmal vorausgeplant. Es war eine Falle. Der misslungene Fluchtversuch hatte schwere Konsequenzen. Der Haftbefehl gegen Peter Gross lautete auf "Beihilfe zum vollendeten ungesetzlichen Grenzübertritt einer DDR-Bürgerin".
Der Grenzer, der Gross am Grenzübergang Bornholmer Straße kontrollierte, war übrigens jener Harald Jäger, der 25 Jahre nach der Schabowski-Pressekonferenz am 9. November 1989 dem Druck der Massen nachgab und an derselben Stelle den Grenzschranken öffnete. Gross: "Der Mann hatte bei uns die Befehle der Stasi ausgeführt und uns beide verhaftet. Aber wegen des 9. November wurde er später als Held gefeiert, obwohl der Held doch das Volk war!"
Hätte die DDR nicht das Ehepaar Wolf eintauschen müssen, wäre Peter Gross vermutlich stillschweigend in die Schweiz abgeschoben worden. Die Staatsanwaltschaft forderte zunächst genau jene 2,5 Jahre Haft, die ihnen der Anwalt vorhergesagt hatte. Der Richter verkündete jedoch viel schwerere Urteile. In den Unterlagen sahen sie später, warum:. Die Staatssicherheit hatte handschriftlich korrigiert: "muss 4,5 sein" bei Christa und "muss 5 sein" bei Peter. Sie schraubten das Strafmaß in die Höhe, um beim Austausch besser handeln zu können.
Dann zeigten sich die Schweizer Behörden unflexibel. Als die DDR-Seite kurz nach der Urteilsverkündung den Schweizern den Austauschhandel anbot, stellten die sich stur. Sie gaben das Agentenehepaar Wolf nicht her und nahmen in Kauf, dass ihr Staatsbürger und seine Freundin knapp dreieinhalb Jahre in Bautzen einsitzen mussten.

Rechnung für die "Mühewaltung"
Das Zuchthaus war berüchtigt, weil darin viele Menschen psychisch gebrochen wurden. Auf seine Renitenz ist Gross bis heute stolz. "Einmal spielte ich mit einem Österreicher, einem Kriminellen, gerade Schach, da sollte ich plötzlich zum Friseur gehen. Ich sagte: 'Nein, ich habe jetzt keine Zeit.'  Mit einfacher körperlicher Gewalt schleppen ihn vier Vollzugsbeamte zwei Wochenlang  in den Arrest im Keller. Da gab es nur Brot und kein warmes Essen und durfte nur in der Früh und am Abend aufs WC gehen."
Hans Miesch, er war der erste Schweizer Botschafter in der DDR, hatte alle vier Monate den Konsul auf Besuch ins Bautzener Gefängnis geschickt. Miesch selbst, so Gross, habe sich in der Zeit nie gemeldet und auch später nie gefragt, wie es seinem ehemaligen Koch gehe. Dass der Botschafter in Kollegenkreisen den Ruf eines Pedanten hatte, zeigte sich an der Rechnung, die Gross nach seiner Freilassung erhielt. "Statt mich zu fragen, ob man mir irgendwie helfen könnte, schickte man mir für die 'Mühewaltung' eine Abrechnung gemäß Gebührentabelle für jeden Besuch des Konsuls." Die Rechnung lautete auf 1.630,90 Schweizer Franken.
"Als ich nach der Entlassung abgeholt wurde und die DDR verlassen musste, hatte ich 9,80 D-Mark und ein Zugticket. Niemand von der Botschaft fragte mich, wie es jetzt mit mir weitergeht. Ich sagte zum Konsul: 'Lassen Sie mich bei der Friedrichstraße raus, ich finde meinen Weg schon.' Dann lief ich stundenlang durch Westberlin und habe Bekannte gesucht und um etwas Hilfe gefragt."Erst drei Tage nach der Entlassung traffen sich die Beiden an der Uhlandstrasse und fielen sich glücklich in die Armen.
Ein halbes Jahr später heirateten sie, arbeiteten sich in die Gastronomie ein, führten Grossbetriebe und hatten eigene Betriebe. Die letzten Jahre bis 2011 waren sie selbstständig in Stein am Rhein und zogen mit Beginn der Rente nach Baden-Würtemberg.Sie reisen viel mit ihrem Wohnmobil herum und überwintern stets auf Lanzarote. Auch zu unserem Treffen im Zollpackhof in Berlin waren sie  mit dem Wohnmobil angereist.
"Ich bereue nichts", sagte Gross. "Das gehört zu unserem Leben. Die Geschichte ist nicht unser Lebensinhalt, aber sie begleitet uns." Zum Leben des Ehepaares gehören auch die zehn Kilogramm Stasi-Akten, die über die beiden angefertigt wurden. Und dass es ihrem Verräter, Peter Zemke, mit seinen drei Autohäusern "blendend geht". Aus dem "Roten Oktober" des IM wurde inzwischen das Autohaus Zemke Bernau mit hundert Mitarbeitern an drei Standorten. Für den Verrat wurde Zemke nie zur Rechenschaft gezogen.Zemke ist vor paar Jahren verstorben.
Ihre  Geschichte wurde in den Jahren 1983-1985 ohne, dass sie es wussten verfilmt: "Einmal Kudamm und zurück".Im Film aber kehrte sie wieder in die DDR zurück, im wirklichen Leben aber sind sie die wahren Protagonisten.Sie veröffentlichten 2016 ihre Geschichte in einem Buch und ihre Homepage heisst dem Film entsprechend einmalkudammundzurück.de. Unteranderem befinden sich im Mauermuseum und in Bautzen Dokumentarausstellungenund stellen sich gelegentlich auch als Zeitzeugen zur Verfügung.

Schweizer Illustrierte vom 8.11.2019 von Réne Haenig, Fotos Kurt Reichenbach
Schweizer Illustrierte vom 8.11.2019 von Réne Haenig, Fotos Kurt Reichenbach

TEXT dazu untenstehend

Seite 3 der Reportage
Seite 3 der Reportage

Im Mini in die Freiheit


Der Schweizer Koch Peter Gross spuckt 1975 dem DDR-Regime in die Suppe. Er schmuggelt seine Freundin Christa über die Grenze. Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall ist ihre Liebe ungebrochen.

Text René Haenig
Fotos Kurt Reichenbach

Der Beginn ihrer Liebesgeschichte ist bis ins klitzeleinste Detail dokumentiert. Auf tausenden Seiten Papier hat die Geheimpolizei der ehemaligen DDR niedergeschrieben, was der Schweizer Peter Gross (heute 70) und dessen damalige Freundin Christa Feurich (heute 71) an jenem für sie verhängnisvollen 1. Februar 1975 verbrochen haben. Ein 10-Kilo-Aktenstapel, in dem sich Beobachtungen dazu finden, was die Verliebten in den Tagen davor tun – und was in den Monaten danach passiert, als beide weggesperrt sind im berüchtigten und gefürchteten Stasi-Knast im sächsischen Bautzen.

Die grenzenlose Liebe von Peter und Christa beginnt ausgerechnet hinter einer der schwerstbewachtesten Grenzen der Welt in Zeiten des Kalten Krieges. 1974 tritt der Schweizer eine Stelle als «Privatkoch im Diplomatenhaushalt in Ost-Berlin» an. «Das Inserat las ich in der Gastrozeitung», erinnert sich Gross. Er ist gerade aus den USA zurück, wo er eine Saison als Küchenchef gearbeitet hat. «Ich brauchte Geld, bewarb mich und bekam den Job.» Angst hat er keine, obwohl ihn Freunde warnen, «direkt in der Höhle des Löwen» zu landen. Gross ist abenteuerlustig. Nachdem er 1969 im Kino «Briefe aus Leningrad» gesehen hat, bucht er anderntags eine Eisenbahnfahrt von Zürich nach Wolgograd. Auf der Rückreise landet er erstmals in der DDR. 

Gross fährt einen Mini mitsamt Diplomaten-Kennzeichen während seiner Zeit als Koch für den Schweizer Botschafter. Bei einem vertraulichen Gespräch im Garten der Residenz hat ihm der Diplomat zuvor vom Kauf eines Occasions-Mercedes abgeraten. «Er sagte: Der hat einen zu grossen Kofferraum», erinnert sich Peter Gross schmunzelnd.

In der Freizeit besucht er das Ostberliner Tanzcafé Nord, lernt dort Christa kennen, eine Pharmazie-Ingenieurin aus Zittau, einer Kleinstadt im Dreiländereck Deutschland, Polen, Tschechei. Anders als im Spielfilm «Einmal Ku' damm und zurück» (von 1985, mit Christian Kohlund und Ursela Monn), ist es Gross, der seiner Freundin vorschlägt, mal nach West-Berlin tanzen zu gehen.

Inspiriert vom berühmten FluchthelferHans Ulrich Lenzlinger, lädt Peter Christa in einem Wald in sein Auto. Das Reserverad hat er entfernt. «Trotzdem musste er mich so richtig reindrücken, um den Kofferraum schliessen zu können», erzählt Christa. Durch ein winziges Loch sieht sie, wie nach dem Grenzübergang «Bornholmer Strasse» der Schlagbaum hinter dem Auto runter geht. In einem West-Berliner Parkhaus kriecht sie aus ihrem Versteck. Das Paar bummelt über den Ku'damm, Christa schaut, staunt – und kehrt mit Peter zurück in die DDR. Der triumphiert: «Ich habe die schwerstbewachteste Grenze der Welt bezwungen.» Im Übermut plaudert er aus, dass er seiner ostdeutschen Freundin den Westen gezeigt hat. Was er nicht ahnt: DDR-Spitzel hören mit. Als Gross am 1. Februar 1975 wieder nach West-Berlin fährt, wissen die sieben mit gezückten Maschinenpistolen auf ihn zulaufenden Grenzsoldaten, was er im Kofferraum versteckt hat: seine Liebste.

«Hol mich raus!» Mehr kann Christa ihrem Peter bei der Festnahme nicht zurufen. «Ich dachte, er als Schweizer wird sofort freigelassen.» Es kommt anders: Peter wird in der DDR zu fünf Jahren Haft verurteilt, Christa zu viereinhalb Jahren. Beide landen in Bautzen. Heimlich tauschen sie  dort Nachrichten aus. Christa: «Weil wir behaupteten, verlobt zu sein, durften wir uns sogar einmal sehen.» Vielleicht hätten sich die beiden häufiger sprechen können. Doch Peter macht im Knast deutlich, dass er sich vom DDR-Unrechtsregime nicht unterkriegen lässt. Er randaliert, hängt selbstgemalte Schweizer Kreuze vor die Zelle, beschimpft die Wachen als Kommunistenschweine. Oft landet er in verschärfter Einzelhaft. 

«Die Stasi hat uns letztlich zusammengeführt», lautet das Fazit von Peter Gross heute, 30 Jahre nach dem Mauerfall. «Wir stützten uns in der Haft gegenseitig», sagt Christa. Am 12. Mai 1978 werden beide im Austausch gegen das in der Schweiz verhaftete Agentenpaar Wolf frei gelassen. Sieben Monate später heiraten Peter und Christa in Basel. 41 Jahre sind sie verheiratet. Die Grenze von damals ist längst abgebrochen. Ihre Liebe ist bis heute ungebrochen. ⬤

Peter Gross 6.11.2016 Titel rechtlich geschützt